{"id":138,"date":"2020-02-26T17:00:00","date_gmt":"2020-02-26T15:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/joergsader.wordpress.com\/?page_id=138"},"modified":"2024-01-17T17:13:49","modified_gmt":"2024-01-17T16:13:49","slug":"textseite-4","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/joergsader.de\/index.php\/blog-feed\/texte\/textseite-4\/","title":{"rendered":"Bleib"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-small-font-size\">Lange hatten die blutschwarz ver\u00adkleb\u00adten Scharniere der Zel\u00adlen\u00adt\u00fcr wider\u00adstan\u00ad\u00ad\u00ad\u00ad\u00adden, wie geronnene Zeit. Er hatte sich in den en\u00adgen Spalt zw\u00e4n\u00adgen, sich mit der Schul\u00adter, die seitdem schmerzt, ge\u00adgen die T\u00fcr wer\u00adfen m\u00fcs\u00adsen, im\u00ad\u00admer wieder mit aller Kraft, bis sie aufst\u00f6h\u00ad\u00adnend nachgegeben hatte. Wie lange das her ist, Mi\u00adnu\u00ad\u00adten, Stun\u00ad\u00adden? Er hat kein Gef\u00fchl mehr f\u00fcr Zeit. Und jetzt die Stim\u00adme! Er sucht an den W\u00e4n\u00adden und ta\u00adste\u00adt die Mau\u00ader\u00adris\u00adse ab. Im Luft\u00adzug vom Fen\u00adster her ge\u00adhen blei\u00adche Spinn\u00adwe\u00adben auf und nie\u00adder, als atme et\u00adwas in lan\u00adgem In\u00adter\u00advall. Wo spricht sie? Aus dem grob ge\u00adfu\u00adg\u00adten Backstein, aus den Wund\u00ad\u00admalen, die der ab\u00adgebl\u00e4tterte Putz hinter\u00adlie\u00df? Ver\u00ad\u00adstreut wie zer\u00ad\u00ad\u00adschellte Qual\u00ad\u00adlen bedecken die Plac\u00adken den Boden, selbst un\u00ad\u00adter dem ro\u00adstigen Bett\u00ad\u00ad\u00adge\u00adrip\u00adpe, das in den Raum ragt wie ein Ding aus an\u00adde\u00adrer Zeit. L\u00e4cherlich, denkt Tul\u00admer, so ohne Ma\u00ad\u00adtra\u00adt\u00adze. Hoch\u00adklap\u00adpen mu\u00dften wir die Prit\u00adschen am Ta\u00adge. Sie ha\u00adben das durch die Spio\u00adne kon\u00adtrolliert.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Grauer Tag ist drau\u00dfen und d\u00fcsterer Himmel. Es wird Regen geben. Er kann die Schw\u00fcle schmeck\u00aden, die auf der \u00f6den Land\u00adschaft liegt, kein Gr\u00fcn, kei\u00adne Men\u00adschen, nichts als weg\u00adge\u00adwor\u00adfene Na\u00adtur. Und un\u00adten im Hof die Re\u00adgen\u00adlachen, die nach den zie\u00ad\u00adhen\u00adden Wol\u00ad\u00adken lec\u00adk\u00ad\u00aden wie ge\u00adfr\u00e4\u00dfige Spiegel. Die Wol\u00adken, ja, die Wolken, sagt Tul\u00ad\u00ad\u00admer und sinnt dem Wor\u00adt nach. Die Wol\u00ad\u00adken und das Fen\u00adster hier! Wieder ist ihm, als h\u00f6\u00adre er das St\u00f6h\u00adnen der ro\u00adsti\u00adgen Zellent\u00fcr, das sich gel\u00ad\u00adlend auf\u00adge\u00ad\u00ad\u00adb\u00e4umt hatte wie\u00ad ein To\u00addes\u00adschrei. Und nie\u00admand, der mich gehin\u00addert hatte, sie zu \u00f6ff\u00adnen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Lange hatte er nach ihr gesucht. Etage um Eta\u00adge war er im Trep\u00ad\u00adpenhaus hochgestie\u00adgen, und jedes Mal, wenn er auf einen der schmalen G\u00e4nge vor den Zel\u00adlen\u00ad ge\u00adra\u00adten war, hatte er in der Stille gestanden. Schritte m\u00fc\u00df\u00adten doch zu h\u00f6ren sein und Ge\u00adr\u00e4u\u00ad\u00adsche un\u00adter\u00adhalb des Maschen\u00addrahts, der zwi\u00adschen den of\u00adfe\u00adnen Stock\u00ad\u00adwerken h\u00e4ngt wie ei\u00adne von Staub und Dreck auf\u00adge\u00adschwol\u00adlene Rie\u00ad\u00adsenr\u00adeu\u00ad\u00ad\u00ad\u00adse. Die Schlie\u00dfer hatte er nicht entdecken k\u00f6n\u00adnen, kein Laut war zu h\u00f6\u00adren gewesen, nichts, weder das Ras\u00ad\u00adseln der Schl\u00fcs\u00ad\u00ad\u00adsel\u00adb\u00fcnde noch das metal\u00adli\u00adsche Schep\u00ad\u00adpern der Schl\u00f6s\u00adser beim Aufschlu\u00df, auch keine T\u00fcr, die schl\u00e4gt. Nir\u00adgends Befehle, nur Stille, schwer und laut. Hatten sie nicht vol\u00adler Angst, wenn sie uns ein\u00adschlos\u00adsen, die oberen G\u00e4n\u00adge be\u00adob\u00ad\u00adach\u00ad\u00adtet? Br\u00fcllten sie uns nicht in die Zel\u00adlen, wenn wir \u00fcber den Gel\u00e4ndern lehn\u00adten und run\u00adter\u00adsahen auf sie?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Nicht mal Schemen oder Gespenster, denkt Tulmer. Er sucht nach An\u00adhalts\u00ad\u00adpunkten. Eilten sie nicht voller Ha\u00df durch den Bau? Ihre Uni\u00adfor\u00admen ro\u00adchen nach Leben, nach dem Leben drau\u00ad\u00dfen, au\u00dfer\u00adhalb der Mauern\u2026 Er will sich er\u00adin\u00adnern, er will die Lee\u00adre aus\u00adf\u00fcl\u00adlen, die er f\u00fchlt; er sieht sich um, geht un\u00adschl\u00fcs\u00adsig ein paar Schritte. Kaum l\u00e4\u00dft sich der Staub auf\u00adwir\u00adbeln, der in dic\u00adken Schichten den Bo\u00adden bedeckt. Wuchernd schiebt er sich vor und fri\u00dft sich durch den Bau wie ein Schwamm, denkt Tulmer, der alles auf\u00adsaugt und der Zeit entrei\u00dft. Die Zeit? Als sei nichts ge\u00adwe\u00adsen. Wer wei\u00df das noch, wer glaubte mir? Und ich? War ich denn je\u00admals hier? Die Bil\u00adder, die Ger\u00e4usche, das Z\u00e4h\u00ad\u00adlen der Tage, nichts stimmt \u00fcberein, nichts ent\u00ad\u00adsteht, wenn ich die W\u00e4nde ber\u00fchre, nichts kommt zur\u00fcck. Wenigstens das Leben hier war eindeu\u00adtig, und ge\u00ad\u00adord\u00ad\u00adnet der Ha\u00df, die Sehn\u00adsucht, die zwei\u00adge\u00adteil\u00adte Welt. Tulmer sieht sich um. Der Bau nimmt al\u00adles, er l\u00f6scht die Zeit, die Mo\u00adnate und Jahre in der Zel\u00adle \u2026 M\u00fc\u00dfte ich nicht tief graben? Die W\u00e4n\u00adde ein\u00ad\u00adrei\u00dfen, den Boden umpfl\u00fcgen bis hin\u00fc\u00adber zum Sta\u00adcheldraht? Bis zum Sta\u00adcheldraht! Er lacht voller Ver\u00adachtung. Schlaff h\u00e4ngen seine En\u00adden von den schief ste\u00ad\u00adhen\u00ad\u00adden Pfeilerst\u00fcmpfen. Und das Fr\u00fc\u00ad\u00ad\u00adhe\u00adre wie\u00ad\u00ad\u00ad\u00ad\u00adderent\u00addecken, murmelt er, wie\u00ad\u00ad\u00adder wahr\u00ad\u00adneh\u00admen wie da\u00admals! Hier war es doch \u2026 es mu\u00df hier gewesen sein! Aber nie\u00admand, der die T\u00fcr schlie\u00dft, kein Schl\u00fcs\u00adsel, der sich im Schlo\u00df dreht, kein Befehl auf der ab\u00adge\u00adtre\u00ad\u00adte\u00adnen Schwel\u00ad\u00adle zum Gang, nicht mal Schrit\u00adte \u2026 Wa\u00adrum schweigt der Bau? Er greift wieder nach dem Git\u00adter am Fen\u00adster. Das mu\u00df die Zelle sein! Meine Zel\u00adle, hier war es&nbsp; \u2026<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">\u201cJa, doch, \u2026 sie ist es.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Wieder die Stimme, wieder wie ein Hieb.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">\u201cDu bist also zur\u00fcckgekehrt?\u201d<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Er duckt sich instinktiv, doch nichts geschieht. Und zwingt sich, zu den Wolken zu se\u00adhen. Wie oft habe ich auf die Fel\u00adder ge\u00adsehen, den Schnee, die Bauern beim S\u00e4hen, das Korn? Schon da\u00admals weit und breit kein Haus, keine Stadt, schon da\u00admals alles zer\u00addr\u00fcckt, zerquetscht von die\u00adsem tie\u00adfen Himmel \u00fcber dem Land. Fest um\u00adfa\u00dft er die St\u00e4be. Er lehnt, als suche er Schutz, den Kopf an die Mau\u00ader un\u00ad\u00adter\u00adhalb des Fen\u00adsters. Mo\u00adder\u00adge\u00ad\u00adruch ent\u00ad\u00adstr\u00f6m\u00adt ihr, k\u00fchl, seltsam kon\u00adkret.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">\u201cWarum \u2026 warum bist du zur\u00fcckgekehrt?\u201d<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Sie ist im Raum, im Gem\u00e4uer, in den Spinn\u00adwe\u00ad\u00ad\u00adben, \u00fcber\u00adall. Und der Bau ihr Reso\u00adnanz\u00adk\u00f6rper, ein gro\u00dfes, stei\u00adnernes Ding, das t\u00f6nt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">\u201cWer bist du?\u201d fragt Tulmer, ohne sich zu r\u00fchren. Die Worte kom\u00admen lauter, als er will, und er\u00adschrec\u00adken ihn. Er h\u00e4lt sich noch immer an der mo\u00addernden Wand. Nicht umdre\u00adhen, nur nicht dieses Etwas an\u00adse\u00adhen, das spricht und klingt wie ei\u00adne ver\u00adh\u00e4rmte Frau.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">\u201cEs ist keine Gefahr\u201d, sagt die Stimme sanft. \u201cDu wirst mich nicht sehen!\u201d<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Keine Gefahr, hallt es in ihm nach. Langsam lo\u00adc\u00adkert er den Griff um die rostigen St\u00e4be, er \u00f6ff\u00adnet die Au\u00adgen und h\u00e4lt, w\u00e4hrend er sich umdreht, die H\u00e4n\u00adde hoch wie einer, der sich ergibt. Wieder sucht er den Raum ab, die Zellendec\u00adke, die zerkratzten W\u00e4n\u00adde, das zer\u00adbrochene Fenster, die halb\u00adoffene T\u00fcr. Nichts hat sich in der Zelle ver\u00ad\u00e4ndert, seitdem er sie be\u00adtre\u00adten hat, alles liegt unb\u00ade\u00adr\u00fchrt unter Staub und Dreck. Nur das langsame Be\u00adben der Spinn\u00ad\u00ad\u00adweben im Luft\u00adzug ist wirklich und der Moder der Mau\u00adern \u2026&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">\u201cIch bin \u00fcberall \u2026&nbsp; ich war \u00fcberall.\u201d<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">\u201cUnd jetzt?\u201d h\u00f6rt er sich fragen. \u201cWo bist du jetzt ?\u201d<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Er geht zur T\u00fcr und stemmt sie weiter auf. Ir\u00adgend\u00adwo im Bau fliegt ein Taube auf und flattert ver\u00ad\u00e4ng\u00adstigt zu der gl\u00e4sernen Kup\u00ad\u00adpel oberhalb der Zel\u00adlen. Tageslicht f\u00e4llt durch die ge\u00adspen\u00adstisch offen ste\u00adhen\u00adden Zel\u00adlen\u00adt\u00fcren und zeichnet scharfe Recht\u00adecke auf dem Boden. Wie rostende R\u00fc\u00adstun\u00adgen lehnen einige T\u00fc\u00ad\u00ad\u00adren an den W\u00e4nden, l\u00e4\u00adcher\u00adlich in ih\u00adrer mas\u00adsiven St\u00e4r\u00adke.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">\u201cWer bist du?\u201d<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">\u201cIch geh\u00f6rte zu ihnen \u2026\u201d<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Ist da ein wehm\u00fctiger Ton, ein verhaltenes Seufzen? Nein, nein, das ist nicht in mir, ich rede doch nicht! Ir\u00adgend\u00adwo mu\u00df sie sein \u2026 Mit der Hand \u00fcber die Ei\u00adsen\u00adge\u00adl\u00e4n\u00adder streichend, l\u00e4uft er an den Zel\u00ad\u00ad\u00adlen ent\u00ad\u00adlang, bis er das Ende des Ganges er\u00adreicht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">\u201cGeh nicht!\u201d<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">\u201cWo bist du?\u201d<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Lacht die Stimme, wundert sie sich?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">\u201cNa, wo? In deinem Kopf \u2026 wo sonst?\u201d<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Tulmer geht ein paar Schritte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">\u201cUnm\u00f6glich! Du sprichst doch irgendwo \u2026\u201d<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">\u201cStimmt\u201d, macht die Stimme gelangweilt. \u201cIst auch nur die hal\u00adbe Wahrheit \u2026\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Tulmer bleibt stehen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">\u201eIch wa\u00ad\u00adr immer da\u201c, sagt die Stimme. \u201eImmer, im\u00admer \u2026 auch in dir! Wei\u00dft du nicht mehr?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">\u201eIn mir?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">\u201eKlar\u201c, sagt die Stimme. \u201eIn dir, in allen \u2026 Wenn ihr von Din\u00adgen spracht, die von oben kamen, war ich da, von den Dingen von ganz oben, hast du das ver\u00adges\u00adsen?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">\u201cHier, im Bau\u201d, fragt Tulmer.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">\u201cVorher schon.\u201d<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Tulmer sucht nach Laut\u00adspre\u00ad\u00ad\u00ad\u00adchern, nach Kabeln, er denkt an ver\u00ad\u00ad\u00ad\u00adborgene Ma\u00adschi\u00adnen, an B\u00e4n\u00adder, die sich ir\u00ad\u00adgendwo drehen, lang\u00adsam, pr\u00e4\u00adzi\u00adse, kalt. Jemand mu\u00df sie bedienen, denkt er, ich bin nicht al\u00adlein! Je\u00admand, der mich kennt \u2026<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Er schl\u00e4gt auf das Ge\u00adl\u00e4nder, da\u00df es wider\u00adhallt von den W\u00e4n\u00adden bis in die ent\u00adle\u00adge\u00adnen, \u00fcber\u00ad\u00ad\u00adall ab\u00adzwei\u00adgen\u00adden G\u00e4nge. Wie\u00adder schl\u00e4gt er und noch ein\u00admal und h\u00f6rt auf das Echo, das dem ersten gleicht und sich wieder bricht und schlie\u00dflich leiser wird wie je\u00addes Mal. Klang der Terror der Schlie\u00ad\u00dfer nicht so, wenn sie uns in die Zellen trie\u00ad\u00adben? Der Ein\u00adschlu\u00df zur Nacht, die im Hel\u00adlen begann. Na\u00adt\u00fcr\u00adlich war es so, st\u00f6\u00dft er hervor und schl\u00e4gt wie\u00ad\u00adder auf das Eisen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">\u201cDamals hast du dich das nicht getraut,\u201d lacht die Stimme.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">\u201cWo bist du, zeig dich!\u201d<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Das Lachen wird lauter.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">\u201cDu warst ein verflucht braver Hund, ein Mu\u00adster\u00adge\u00adfangener so\u00adzusagen \u2026 keinerlei Vermerke in der Ak\u00adte! Bist ja auch fr\u00fcher raus\u00adge\u00adkom\u00admen, ganze zwei Jah\u00ad\u00adre \u2026\u201d<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">\u201cDas wei\u00dft du?\u201d<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">\u201cAber ja, alles wei\u00df ich, alles, was dich betrifft \u2026\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Die Stimme stockt, als \u00fcberlege sie.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">\u201e \u2026 jedem, der k\u00e4me, k\u00f6nnte ich antworten.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Und schlie\u00dflich:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">\u201eAber du bist der er\u00adste! Ich werde also h\u00f6flich sein, sehr h\u00f6f\u00adlich will ich sein, entschuldige bitte! Ich will dich nicht ver\u00adtrei\u00adben\u2026 ich bin so froh \u2026\u201d<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Und leiser:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">\u201cEinsam ist es hier ohne Gespr\u00e4che, kalt, sehr kalt, ver\u00adstehst du, ohne die Fra\u00adgen, die jeder stel\u00adlen m\u00fc\u00df\u00adte \u2026\u201d<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">\u201cEs am\u00fcsiert dich?\u201d<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">\u201cDir die Wahrheit zu sagen? Kaum, obwohl \u2026 nun ja, ein bi\u00df\u00adchen vielleicht schon\u2026 Aber sage ich Dir Neues? Alles, was ich sage, wei\u00dft du bereits \u2026 Bis\u00adher wolltest du da\u00advon nichts wis\u00ad\u00adsen.\u201d<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Tulmer tritt gegen eine T\u00fcr, die langsam nach vorn kippt und mit lautem Krachen auf das Ge\u00ad\u00adl\u00e4n\u00adder schl\u00e4gt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">\u201cBist du ein Mensch, \u2026 f\u00fchlst du wie wir?\u201d<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">\u201cWie ein Mensch?\u201d fragt die Stimme und dehnt die Worte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">\u201cWie ein Mensch? Nein, ich glaube nicht, aber wie ihr f\u00fchlt, das verstehe ich\u2026&nbsp; Ich beneide euch.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Uns beneiden, denkt Tulmer.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">\u201eJa, wirklich. Ihr wi\u00dft zu spielen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">&nbsp;Er wendet sich ab.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">\u201cSo bleib doch! Geh nicht\u2026 Wir beide \u2026 wir beide, wir schaf\u00adfen es! Keiner hat es bis\u00adher ver\u00ad\u00ad\u00adsucht \u2026 Bleib!\u201d<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Sind da nicht Schritte? Tulmer h\u00e4lt inne.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">\u201cBleib\u201d, wiederholt die Stimme. \u201cBitte!\u201d<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Schritte irgendwo im Bau, kein Zweifel. Sie werden deut\u00adli\u00adcher, kom\u00ad\u00admen n\u00e4her. Jemand stei\u00ad\u00adgt ir\u00adgendwo die Trep\u00ad\u00adpe her\u00adab. Und jetzt schwach, noch kaum h\u00f6rbar, ei\u00adne M\u00e4n\u00adner\u00adstim\u00ad\u00adme \u2026 St\u00f6\u00dft sie nicht Be\u00adfehle aus? Wie fr\u00fc\u00adher, denkt Tulmer. Wie fr\u00fc\u00adher. Ihm wird hei\u00df, ihm ist, als halle ein Echo auf ihn zu, ein Echo, das durch die Jahre rollt wie damals im Bau; wenn die Stim\u00adme sprach, hallte es von den Mauern, hallte und brach sich zersplit\u00adternd Bahn. Und jetzt tats\u00e4chlich die Na\u00admen, sie kom\u00admen tro\u00adcken, tastend, hoch her\u00ad\u00ad\u00adaus\u00adge\u00adsto\u00dfen und fremd, wie ein z\u00f6\u00adgern\u00adder Chor vor der engen Wand.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Auf Zehen\u00adspit\u00adzen und je\u00addes Ge\u00adr\u00e4usch ver\u00ad\u00ad\u00admei\u00ad\u00ad\u00addend, geht Tul\u00admer zur Trep\u00adpe, er sieht, wie sei\u00adne Hand nach dem rostigen Ge\u00adl\u00e4n\u00adder greift, wie er lang\u00ad\u00adsam und fast oh\u00adne den Bo\u00adden zu be\u00adr\u00fch\u00adren hin\u00ad\u00adun\u00ad\u00adter\u00ad\u00adsteigt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Lange hatten die blutschwarz ver\u00adkleb\u00adten Scharniere der Zel\u00adlen\u00adt\u00fcr wider\u00adstan\u00ad\u00ad\u00ad\u00ad\u00adden, wie geronnene Zeit. Er hatte sich in den en\u00adgen Spalt zw\u00e4n\u00adgen, sich mit der Schul\u00adter, die seitdem schmerzt, ge\u00adgen die T\u00fcr wer\u00adfen m\u00fcs\u00adsen, im\u00ad\u00admer wieder mit aller Kraft, bis sie aufst\u00f6h\u00ad\u00adnend nachgegeben hatte. Wie lange das her ist, Mi\u00adnu\u00ad\u00adten, Stun\u00ad\u00adden? 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