{"id":329,"date":"2020-03-15T08:14:58","date_gmt":"2020-03-15T07:14:58","guid":{"rendered":"https:\/\/www.joergsader.de\/?page_id=329"},"modified":"2024-01-17T17:22:29","modified_gmt":"2024-01-17T16:22:29","slug":"stimmen-fern-kaum","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/joergsader.de\/index.php\/stimmen-fern-kaum\/","title":{"rendered":"Stimmen, fern, kaum"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Stimmen,\nfern, kaum<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Er hat\u00adte die Staus und Bau\u00adstellen der normalen Route hin\u00ad\u00adter sich ge\u00adbracht, hatte gedankenverloren den Wagen ge\u00adsteu\u00adert, Radio ge\u00adh\u00f6rt, Kassetten einge\u00adlegt, doch jetzt, pl\u00f6tzlich, dieser Wech\u00ad\u00ad\u00adsel, dieser Punkt, der immer anders ist als in sei\u00adnen Vor\u00adstel\u00adlun\u00adgen, kon\u00adkre\u00adter, lebendiger, nicht anti\u00adzi\u00adpier\u00adbar im Grunde. Im\u00admer wie\u00adder hat\u00adte er versucht, sich diesen Augenblick ins Ge\u00add\u00e4cht\u00adnis zu rufen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">T. drosselt die Fahrt, der Wagen soll langsam\nhinab\u00adgleiten, soll den sanften Schub auskosten, den die H\u00fcgel verursa\u00adchen,\nnur m\u00f6glichst lange f\u00fchlen, sagt sich T., wenn das Land Wei\u00adte er\u00adh\u00e4lt, sich\n\u00f6ff\u00adnet und rekelt wie eine Ge\u00ad\u00adliebte, die er\u00adwacht. Er ge\u00adnie\u00dft den\nAnblick, er begr\u00fc\u00dft die wei\u00adten Felder, die verstreuten Kirch\u00adt\u00fcr\u00ad\u00adme, die\nschie\u00adfer\u00adgrau auf\u00adra\u00ad\u00adgen \u00fcber den ver\u00adborgenen D\u00f6r\u00ad\u00ad\u00adf\u00adern,\nPunkte, die von alter Ord\u00adnung k\u00fcn\u00adden. Die Land\u00adschaft zeichnet sich, wun\u00adderbar\nun\u00adauf\u00adge\u00adregt\nund milde, mit schnel\u00adler, spitzer Fe\u00adder, ver\u00advollst\u00e4ndigt sich und f\u00fcgt sich\nin d\u00fcn\u00adnen Stri\u00ad\u00adchen, die noch die streich\u00adholz\u00adho\u00adhen\nBaum\u00adreihen am Hori\u00adzont er\u00adw\u00e4hnen, zu einem tiefge\u00adstaf\u00adfel\u00adten vollen\n\u00adBild. Nur se\u00adhen und auf\u00adneh\u00admen, nur wiedererkennen, da, im Mit\u00adtel\u00adgrund, zum\nBei\u00adspiel die schmale Stra\u00dfe, zwi\u00ad\u00adschen Obst\u00ad\u00adwie\u00adsen, \u00c4ckern und Wei\u00adden z\u00fcn\u00adgelt sie\nund spielt den dunk\u00adlen Fur\u00adchen nach, die mal pa\u00adrallel\nverlau\u00adfen, dann im rech\u00adten Winkel zur Auto\u00adbahn, ein sanft welliger\nBoden, dem sie sich an\u00adschmiegt wie dem auf\u00adre\u00adgenden\nK\u00f6rper das Kleid. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Wie immer sucht er, wenn er hier f\u00e4hrt, l\u00e4ngst die\nGegend nach Zei\u00adchen ab, er folgt dem Spiel der Son\u00adne, den\nleuch\u00adtenden Fl\u00e4\u00adchen, die sie aus der Ebene sticht, milde er\u00addige Far\u00adben, die\nsich tau\u00adsendfach abstufen, sich fe\u00adstigen und entgleiten, die Gram\u00adma\u00ad\u00adtik\nder Land\u00adschaft, die sich unaufdringlich auspro\u00ad\u00adbiert und kleine Geheimnisse\noffenbart, tief hin\u00adab Intimes andeutend im Pr\u00e4\u00adsens des\nAugen\u00adblicks. Endlich ist er da, endlich. T. f\u00fchlt eine Hand nach ihm\ntasten, ei\u00adnen Anspruch, Worte, seit lan\u00adger Zeit\nfor\u00ad\u00ad\u00admuliert. Erste Ge\u00adh\u00f6f\u00adte tauchen auf, \u00fcber\u00adwu\u00adcher\u00adte, aus\nschwarz\u00ad\u00ad\u00ad\u00adroten Ziegeln gef\u00fcgte Ge\u00ad\u00adb\u00e4ude, das Leben, emp\u00adfindet er, der alles sehen\nwill, wirklich alles und l\u00e4chelt, r\u00fcckt n\u00e4\u00ad\u00adher. Hinter H\u00fc\u00adgeln und Senken wieder das lo\u00adckende Ver\u00adsteck\u00ad\u00adspiel der\nLandstra\u00dfe, ent\u00adschlossen schl\u00e4n\u00adgelt sie nun dem Zen\u00adtrum der\nweiten Ebene ent\u00ad\u00adge\u00adgen, umspielt die Bur\u00ad\u00adgen, die\nin der Fer\u00adne auf\u00adra\u00adgen, das verwitterte Braun ihrer Rui\u00adnen,\nscharf\u00ad\u00adkan\u00adtig, zackend, thro\u00adnend bald \u00fcber der Ebe\u00adne und\ntrot\u00adzig wie aufge\u00adge\u00adbene Wach\u00ad\u00adt\u00fcrme, lange \u00dcber\u00adg\u00e4n\u00adge zur Na\u00ad\u00adtur, und\nwie\u00adder ist T., als h\u00f6re er Rufe, leise ge\u00adfl\u00fc\u00adstert\nWorte, eine weib\u00adli\u00adche Stim\u00adme na\u00adt\u00fcr\u00adlich, wer, Tania, du? Sie spricht von War\u00adten, von\nVer\u00admis\u00ad\u00adsen, lange, ach, zu lange schon h\u00e4lt dein Wegsein\nan, f\u00fchlst du es nicht? <\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">F\u00fcr Augenblicke stehen die Burgen wie weite\nFenster, wie Kin\u00adder\u00adtore rechts und links der Autobahn, durch die es,\nan Jahren und Tiefen vorbei, zur\u00fcckgeht ins Da\u00admals, zur\u00fcck zu Spiel und\nAusflugzeit, zum Schnitzen an frischen saftigen St\u00f6\u00adcken, di\u00adrekt hinein in die\nAben\u00adde gro\u00ad\u00dfer, gl\u00fcckseliger M\u00fcdig\u00adkeit. Und\nw\u00e4h\u00adrend die Dreispur wie ein Endlos\u00adband grau schim\u00ad\u00admernd in gro\u00ad\u00dfem Bo\u00adgen die\nLandschaft durch\u00admi\u00dft, h\u00e4u\u00adfen sich Hinweise, Schil\u00adder in blau und\nwei\u00df beugen sich \u00fcber den Wa\u00adgen und schla\u00adgen Rich\u00adtungen\nvor, Ziele und Orte, die zu die\u00adser Stun\u00adde emp\u00adfan\u00adgen, jetzt. Bin ich angekom\u00admen? Wel\u00adchen Win\u00adkel m\u00f6ch\u00adtest du sehen? Nimm die n\u00e4chste\nAbfahrt, die n\u00e4chste Ab\u00adfahrt ist es, dort, wo es zur Stadt hin\u00adabgeht, du\nfolgst der steilen Kur\u00adve, l\u00e4\u00dft dich mit der Stra\u00dfe in den Wald fallen, den\nSteiger\u00ad, du wei\u00dft schon, <em>Hubertus<\/em>\nmit seinen St\u00fchlen und Ti\u00adschen taucht zur Rechten auf, das <em>Waldschl\u00f6\u00dfchen<\/em>, das be\u00adwahr\u00ad\u00adte\nFach\u00adwerk in\u00admitten der umherste\u00adhen\u00adden B\u00e4u\u00adme, ein spitz\u00adt\u00fcr\u00admiger Wett\u00adei\u00adfer, vers\u00e4um das nicht!<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">T. hat Lust, den Wagen stoppen, er m\u00f6chte den Ton\nzu\u00adr\u00fcck\u00ad\u00adspu\u00adlen und noch mal, nein im\u00admer wieder die Stimme h\u00f6\u00adren. Sie wohnt in der\nLandschaft, sie ist weich, warm, weib\u00adlich und wohl\u00adtuend nah, sie kennt mich, denkt er.\nDu wirst an den R\u00e4n\u00addern der Stadt die al\u00adten Zei\u00adchen sehen, alles wirst du erkennen, nichts ist\ndoch wirklich vorbei, nichts vergangen, alles ist be\u00adwahrt, f\u00fcr dich. Im Wald\nfindest du die alten Wege und Schnei\u00adsen, und im Schat\u00ad\u00adten der Baum\u00adfluchten\ndie Ge\u00adheim\u00adnisse, die du ver\u00adges\u00adsen hast. Mit pochendem Hals\nbist du da ge\u00adgangen, nur heraus aus dem Weich\u00adbild der\nStadt, hin zu den B\u00e4umen und Moosen und dem Geruch von Haut im hohen Gras.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Stimmen, fern, kaum Er hat\u00adte die Staus und Bau\u00adstellen der normalen Route hin\u00ad\u00adter sich ge\u00adbracht, hatte gedankenverloren den Wagen ge\u00adsteu\u00adert, Radio ge\u00adh\u00f6rt, Kassetten einge\u00adlegt, doch jetzt, pl\u00f6tzlich, dieser Wech\u00ad\u00ad\u00adsel, dieser Punkt, der immer anders ist als in sei\u00adnen Vor\u00adstel\u00adlun\u00adgen, kon\u00adkre\u00adter, lebendiger, nicht anti\u00adzi\u00adpier\u00adbar im Grunde. 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